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Allerdings ist diese meditative Richtung nur eine Seite dessen, was mich als Musiker interessiert; ich liebe - und produziere - auch durchaus gerne rhythmische, lebhafte - oder auch ab und zu dramatische oder gar düstere - Sachen; und Inspiration dafür kommt tatsächlich aus *sehr* vielen Richtungen, da ich schon immer einen sehr weitreichenden Musikgeschmack hatte, der sich kaum um Genregrenzen schert (wobei es dann doch einige Musikrichtungen gibt, die mir tendenziell mehr liegen als andere...).

Um mal ein paar Beispiele (von GANZ ganz vielen zu geben):

Im Bereich Ambient (und ähnlichem) war für mich zunächst einmal Peter Michael Hamel prägend, sowohl seine Musik als auch sein Buch "Durch Musik zum Selbst".

Kurze Zeit später brachte mir dann ein guter Freund die Musik von Brian Eno näher (...vor allem seine Alben "The Shutov Assembly" und "On Land" und sein Album mit Harold Budd "The Pearl") und ein Mädel, das ich kannte, "The Future Sound of London" und "The Orb" (wobei das auch gleichzeitig in Richtung anspruchsvollere Dance Music bzw. zeitgenössische Electronica ging). Die Musik aus den Computerspielen "Eve" (von Peter Gabriel) und "Riven" war auch eine große Inspiration damals.

Ein anderer Freund wiederum empfahl mir Steve Roachs Ambient-Klassiker "Dreamtime Return" (bei dem auch, ohne daß mir das damals auffiel, Robert Rich mitgewirkt hat, der momentan einer meiner absoluten Lieblingsmusiker ist). Das zündete damals aber aus irgendeinem heute vergessenen Grund nicht so recht - erst vor ca. einem Jahr habe ich mir das Album neu gekauft, und finde es (heute) großartig. Das gilt um so mehr für die Musik von Robert, die ich aber auch erst vor wenigen Jahren richtig wahrgenommen habe.

Nun kannte - und schätzte - ich natürlich auch schon vorher elektronische Musik (die teilweise auch bereits Ambient-Charakter hatte). Das waren dann insbesondere die Größen - und Wegbereiter - dieser Musik aus den 70ern:

Mein erstes selbstgekauftes Album - mit 13 Jahren - war Jarres "Oxygene". Bald darauf entdeckte ich Tangerine Dream, Vangelis - und insbesondere Klaus Schulze, heute noch in vieler Hinsicht mein großes Idol. Und viele andere - nur mit Kraftwerk hatte ich es nie so (obwohl ich deren Sachen auch z.T. kannte und in Einzelfällen mochte). Ich sah die 70er-Elektronik, Berliner Schule etc. allerdings in meiner "Plattensammlerzeit" eigentlich immer im größeren Zusammenhang der "progressiven" (Rock-) Musik der späten 60er und 70er, von der ich ein großer Fan war (und bin). Deshalb hätte ich mich damals auch nicht ausdrücklich als Elektronik-Hörer bezeichnet.

Und da sind wir nun bei dieser ganzen wunderbaren Hippie-Musik gelandet, die mich eben auch entschieden mitgeprägt hat - obwohl meine Jugend ja in die 80er fiel, aber mit der damals aktuellen Musik konnte ich nur in Ausnahmefällen etwas anfangen. Also der ganze Reigen der üblichen Verdächtigen: Pink Floyd, Mike Oldfield, Yes, King Crimson, Jethro Tull, Manfred Mann's Earth Band, Gentle Giant usw. - Krautrock und deutscher Progressive-Rock wie Can, Amon Düül II, Eloy, Novalis, Grobschnitt, Birth Control - und auch härteres wie Deep Purple, Rainbow, Black Sabbath, Led Zeppelin - später auch manchmal Metal - und alles, was so grob in die Richtung ging, auch viele eher obskure Sachen.

Daneben aber auch viel Jazz (besonders aus der ECM-Ecke), Klassik, "Weltmusik" - aber auch teilweise niveauvoller Pop - wie gesagt, ich war und bin für fast alle Musikrichtungen offen. Das bedeutet nun aber nicht, daß mir automatisch und unterschiedslos einfach alles gefällt - es muss bei einem Stück eben etwas rüberkommen, was mich auf irgendeiner Ebene berührt. Es kann sogesehen passieren, daß mir ein Country- oder Hiphop-Stück gefällt - obwohl ich nun wirklich beides sehr selten höre - und ein Progrock-Stück aus den 70ern überhaupt nicht - obwohl ich die Richtung grundsätzlich mag. Es kommt auf den Einzelfall an, auf die Inspiration und das Können der jeweiligen Künstler, und nicht auf das Genre...

Harald G.: Sind Deine Klangwerke rein elektronisch oder bedienst Du Dich auch schon mal eines akustischen Instrumentes? Mit welchem technischen Equipment arbeitest Du?

Michael B.: Zum ersten Teil Deiner Frage: obwohl ich bei einigen meiner Stücke selbst schon Flügel, Flöte, Gitarre, Maultrommel oder Percussion gespielt habe, und (was meistens zu eindrucksvolleren Ergebnissen führte) auch schon des öfteren Gastmusiker hatte (z.B. Gitarre, Flöte, Cello, Percussion, Monochord, Tamboura oder Gesang) ist dennoch der weitaus größere Teil meiner Musik rein elektronisch. Leider, muss ich sagen, denn ich mag gerade die Kombination aus Elektronik und akustischen bzw. elektro-aktustischen Instrumenten wirklich sehr. Aber es kommt nicht so häufig vor, daß man die Möglichkeit zu so einer Zusammenarbeit hat. Auch ist gerade bei akustischen Instrumenten der nötige technische Aufwand (hinsichtlich Mikrophonierung und idealem Aufnahmeraum) viel diffizieler - im Grunde müsste ich dafür in ein gut ausgestattets Studio gehen. Ich persönlich habe da leider nicht die entsprechende Ausrüstung - und die Dienste eines gutes Tonstudios kann ich mir nicht leisten. Manchmal sind aber meine Gäste entsprechend ausgerüstet - oder haben Zugang zu einem Studio - und so lässt sich da dann wieder etwas machen. Wie gesagt kam es bisher leider nicht häufig vor, aber ich hoffe, ich werde in Zukunft noch mehr Gelegenheit dazu haben...

Da ich niemals ein hohes Einkommen hatte und meine Familie versorgen musste, ist mein Equipment entsprechend eher bescheiden geblieben und ist kaum geeignet, großes Staunen hervorzurufen (ausser vielleicht, wie ich damit letztlich doch zu brauchbaren Ergebnissen gekommen bin ).

Über die Jahre ist es allerdings dann doch etwas besser geworden, und wenn ich auch technisch nicht wirklich auf der Höhe der Zeit bin, kann ich mit meinem kleinen Projektstudio doch - jedenfalls im Rahmen der elektronischen Musik - mittlerweile die verschiedenen Aufgaben, die sich da stellen, ganz gut bewältigen.

Konkret sieht meine Equipmentliste folgendermaßen aus:

Synthesizer und Keyboards etc. (Hardware):
- Waldorf Blofeld (Desktop) + M-Audio Oygen Masterkeyboard (als Tastatur und zur Synthese-Steuerung)
- Korg 05/RW Midi-Modul / Synthesizer
- Korg Z1 (eine "Dauerleihgabe" von einem guten Freund)
- ELKA Solist 505 monophoner, analoger Lead-Synthesizer
- diverse Effektgeräte, ein Behringer-Mixer

- ein Laptop und ein alter G3-PowerMac mit verschiedener Musiksoftware / virtuellen Instrumenten, insbesondere:
- Cubase VST 5 (alte Version von 2003)

- Reason 5
- NI Reaktor
- NI Absynth
- U&I Metasynth
...und viele andere.

Live und zum Komponieren verwende ich vor allem Reason; die programmeigenen virtuellen Instrumente spiele ich auch zum Teil mit einem weiteren kleinen Masterkeyboard von Hand...

Harald G.: Ich gehe mal davon aus, dass Du Deine Musik nicht einem bestimmten Genre zuordnest, sondern dass Du eine große Bandbreite verschiedener Stilrichtungen in Deine Werke mit einfliessen lässt?

Michael B.: Ich denke, das kann man so sagen; wobei sich natürlich alles insgesamt doch im (weiten) Rahmen der elektronischen Musik bewegt. Und - gerade in den letzten fünf Jahren - hat sich doch sozusagen ein "doppelter Schwerpunkt" herauskristallisiert, das wäre (Drone) Ambient zum einen und an die Berliner Schule angelehnte, eher "klassische" Elektronik zum anderen.

Trotzdem sagen mir Hörer und auch Rezensenten nach wie vor, daß meine Musik facettenreich, voller Überaschungen und ungewohnt sei. Dabei geht es auf meinen früheren Alben - die allerdings nur wenige kennen - oft noch viel bunter zu. Mir persönlich gefällt das (offensichtlich), allerdings erschwert es die Vermarktung der Musik doch sehr, weil viele Hörer sich auf ein, zwei Lieblings-Genre beschränken, und von Elementen hat, die zu weit ab von Ihrer Comfort-Zone liegen, doch sehr irritiert sind.

Wobei ich es insgesamt interessanter finde, ausgetretene Pfade, wenn ich es schaffe, zu verlassen, anstatt zu versuchen, im Rahmen eines bestimmten Genres gegebene Erwartungen zu bedienen (was ich auch ohnehin nicht so gut kann...  ).

Aber nun - ja: es gibt, insgesamt gesehen, in meiner Musik sehr viele stilisistische Elemente aus allen möglichen Bereichen, sei es Rock, Pop, Jazz, Metal, Dance, Industrial, Weltmusik, atonale experimentelle Musik, Klassik usw.

Harald G.: Und ich weiß, dass Du nicht nur Soloprojekte machst, sondern dass Du auch schon gemeinsam mit anderen Künstlern etwas erschaffen hast bzw. immer noch erschaffst, da Du es ja bereits erwähnt hast...

Michael B.: In der Tat. Anfangs habe ich ja schon das Band-Projekt B4 SUNRISE erwähnt, wobei meine beiden Bandkollegen wiederum auch Gastmusiker auf einigen meiner Soloplatten waren, und dann gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Stücke mit verschiedenen anderen Gästen - früher nur gelegentlich, und seit ich im Internet unterwegs bin natürlich auch öfter, ganz einfach weil ich dadurch Kontakt zu unglaublich vielen Kollegen von überall auf der Welt habe, und da kommt es durchaus öfter vor, daß man sich gegenseitig zu Zusammenarbeiten einlädt.

Wobei sich das meist eben auf ein oder zwei Stücke pro Projekt oder Album beschränkt und man sich per E-Mail austauscht.

Was eine gute und interessante Sache ist - dennoch ist es nicht ganz zu vergleichen mit einem längerfristigen Projekt, das sich (auch) in der realen Welt abspielt, d.h. wo man sich tatsächlich mit den entsprechenden Musikern trifft, zusammen musiziert, direkt vor Ort Stücke gemeinsam erarbeitet, usw.

Das ist letztlich doch viel intensiver, anregender, lebendiger - aber man muss auch Zeit, Mühe und Geduld investieren, und es ist in einer Situation, wo jeder der Beteiligten einem Brotberuf nachkommen muss, und auch familiäre Verpflichtungen hat, nicht immer einfach, das auf die Beine zu stellen oder am Ball zu bleiben. Die Beteiligten sind doch größtenteils eher Familienväter und keine jungen Studenten mehr (die da evtl. noch flexibler sind).

In den letzten Jahren hatte ich zwei solcher intensiven, direkten Projekte, das eine mit Mathias Brüssel, auch aus Mainz, der bereits seit 30 Jahren in der elektronischen Musik aktiv ist - wir bilden das elektronische Improvisations-Duo "La Mansarde Hérmetique", haben für ein besonderes Projekt letztes Jahr (ein Festival-Auftritt im Planetarium von Brüssel (!) ) aber auch als "Brückner  & Brüssel" zusammengearbeitet.

Das andere Projekt ist mit Tommy Betzler, einem Schlagzeuger und, könnte man sagen, Veteran der Elektronik-Szene:
er war in den frühen 80ern Mitbegründer der aus Darmstadt kommenden Elektronik-Prog-Band P'Cock, und hat auch bei einigen Konzerten von Klaus Schulze (bei dessen Label IC P'Cock unter Vertrag waren) getrommelt. Er hat dann erstmal das Musizieren lange aufgegeben und stattdessen einen Catering-Service für Rockmusiker gegründet, mit dem er einige Jahre sehr erfolgreich war - in diesen Jahren hat er als Tour-Koch mit seinem Team in ganz Europe viele internationale Rockstars betreut. Erst vor einigen Jahren begann Tommy dann wieder in der Elektronik-Szene aktiv zu werden, und gemeinsame Bekannte hatten die Idee, uns zusammenzubringen. "Betzler & Brückner" wäre dann auch im Augenblick das aktuellste Projekt, wir hatten erst vor kurzem einen Auftritt im Nebenprogramm des E-Live Festivals in Holland und arbeiten gerade fieberhaft am nächsten Album, das dann hoffentlich wie geplant im Dezember erscheinen soll.

Bei beiden Projekten haben wir übrigens auch mit dem ausserordentlich begabten EM-Musiker Fryderyk Jona zusammengearbeitet, der ebenfalls in der Nähe von Mainz lebt - er stammt aus Polen und hat hier in Mainz Musik studiert - Saxofon und Klarinette - ist aber auch ein begnadeter Elektronik-Musiker und sicher eines der ganz großen Nachwuchstalente in der Szene.

Andere Musiker, mit denen ich bisher immerhin komplette Alben gemacht habe, sind z.B. der B4 SUNRISE-Gitarrist Wolle Bechtluft, der klassische Hornist und EM-Musiker Detlev Everling, der Brasilianische EM-Musiker Gustavo Jobim und Bert Hülshoff , aka "Phrozenlight" aus Holland. Für ein gemeinsames Album mit dem Ambient-Musiker Hans-Dieter Schmidt, aka Imaginary Landscapes, das schon komplett eingspielt ist, sind wir im Augenblick auf der Suche nach einem geeigneten Label. Darüber hinaus sind noch verschiedene Zusammenarbeiten - zum Teil schon sehr lange - im Wachsen und Werden; da hier z.T. aber noch nicht ganz sicher ist, welche davon tatsächlich das Licht des Tages sehen werden, möchte ich diese Namen noch nicht verraten - es sind aber sehr vielversprechende Sachen dabei...

Harald G.: Bestimmt ist bei unseren Lesern die Spannung so gewachsen, dass sie jetzt gerne wissen möchten, wo sie sich Deine Werke anhören können und sie auch käuflich erweben können, auf physischem Tonträger oder auch im Download, z.B. bei Bandcamp. Welche physischen Tonträger hast Du veröffentlicht und bei welchen Labels oder auch im Eigenvertrieb? Ich glaube, eine vollständige Diskographie würde den Rahmen unseres Interviews sprengen, aber nenne uns doch einfach mal einige noch aktuelle Bezugsquellen...

Michael B.: Also, es ist nach wie vor so, daß ich den größten Teil meines - wie Du sagst - doch umfangreichen "Katalogs" selbst vertreibe; viele Alben gibt es daher auf meiner eigenen Bandcamp-Seite, bzw. auch der von "Brückner & Brüssel" und B4 SUNRISE. Das sind allerdings noch längst nicht alle Alben; insbesondere fehlen viele meiner Arbeiten von vor 2006 - die werde ich sicher in den kommenden Jahren nach und nach auch auf Bandcamp bringen; andererseits ist es damit aber nicht so eilig, denn die Nachfrage nach älteren Alben ist leider bisher nicht so groß. Man kann aber *alle* meine Alben - auch die älteren - jederzeit direkt bei mir bestellen. Und zwar grundsätzlich sowohl als Download als auch als (bedruckte und professionell gestaltete) CD-r.

https://michaelbrueckner.bandcamp.com

https://bruecknerandbruessel.bandcamp.com

https://b4sunrise.bandcamp.com

Seit ca. 2011 habe ich aber auch einige Alben bei verschiedenen kleinen Independent-Labeln veröffentlicht; vor allem bei dem in der Szene recht bekannten deutschen EM-Label "SynGate" (und dessen Sublabeln). Dort erschien 2012 mein erster "richtiger" Label-Release, was auch gleichzeitig insgesamt mein einhundertstes Album war: "100 Million Miles Under The Stars" - seither habe ich jedes Jahr ein oder zwei Alben über SynGate veröffentlicht, bislang insgesamt sechs (zwei Kollaborationen mitgerechnet).

https://syngate.bandcamp.com/album/100-million-miles-under-the-stars

2013 erschien dann ein Album von mir  - "Naura" - beim Berliner Label "Klangwirkstoff", ein Stück davon kam auf Ihre alljährliche Label-Compilation (eine Doppel-CD, "Active Agent of Sound II"

http://www.klangwirkstoff.de/html-de/kwdigi003/kwdigi003_release_de.html

Im Jahr darauf habe ich mein recht aufwendiges Projekt "Ombra" dann auf Hagen von Bergens kleinem, aber feinem Label BI-ZA-Records veröffentlicht; meine erste (und leider auch bisher einzige) tatsächlich gepresste, also industriell hergestellte CD bislang. Alles andere sind soweit CD-rs (wobei ich damit aber keine Probleme habe, die CD-rs stehen gepressten CDs kaum nach). Mittlerweile hat Hagen das Album (nach einem Update seiner Seite) das Album allerdings wieder aus dem Programm genommen (es ist aber nach wie vor über meine eigene Bandcamp-Seite erhältlich).

http://www.bi-za-records.de/

Verschiedene Alben sind dann rein digital bei diversen Netlabels erschienen (ich biete allerdings auf Nachfrage auch CD-r-Versionen an), bei INQB8R, Ancient Language Records, Plataforma, Aural Films.

https://auralfilms.bandcamp.com/album/fog-music-35

Ein "Sonderfall" ist "abmiOfusion", das kein "echtes" Label ist, sondern ursprünglich (und noch immer) eine Online-Community von Musikern und Hörern, die von Rick Chase - einem Hörer und Förderer elektronischer Musik - ins Leben gerufen wurde; vor zwei Jahren starb leider seine Frau an Krebs, und zusätzlich zu diesem schlimmen Schicksalsschlag rutschte Rick durch die Tücken des amerikanischen Gesundheitssystems in unglaubliche Schulden für den Krankenhausaufenthalt und die medizinische Versorgung seiner Frau. Wir Musiker haben daraufhin (leider nicht allzu erfolgreich) versucht, Rick in dieser Situation zu helfen, und haben für ihn eine Bandcamp-Seite eingerichtet, wo wir verschiedene Alben anbieten (eines davon von mir) -  die Erlöse gehen alle direkt an Rick...

https://ambiofusion.bandcamp.com/album/hikari

Abgesehen davon habe ich auch seit 2011 zu unzähligen V/A - Compilations und ähnlichem (exklusive) Stücke beigetragen, eine (unvollständige) Sammlung davon habe ich letztes Jahr mal zusammengetragen, sie ist elf Stunden lang. Besonders ein Projekt möchte ich hervorheben (wobei der Anlass dazu sehr traurig war) - eine umfangreiche Tribute-CD-Box zu Ehren des früh verstorbenen deutschen Elektronik-Musikers und Labelgründers Peter Kuhlmann, aka Pete Namlook. Zu dieser Box - benannt "Die Welt ist Klang" - haben auch viele ehemalige FAX-Künstler beigetragen, z.B. Bill Laswell und viele andere namhafte zeitgenössische Elektroniker...

https://namlooktribute.bandcamp.com/album/die-welt-ist-klang-a-tribute-to-pete-namlook

Harald G.: Wo kann man sonst noch im Internet etwas über Dich nachlesen oder sich vielleicht auch Video-Clips anschauen?

Michael B.: Eine eigene Internetseite habe ich leider noch nicht; zum Verkauf nutze ich, wie gesagt, Bandcamp. Ich kommuniziere mit der Öffentlichkeit hauptsächlich über Facebook, hier gibt es auch eine kleine Hörergruppe und eine eigene (öffentliche) Musiker-Seite.

https://www.facebook.com/Michael-Brückner-Ambient-Electronica-more-177377481303/

Ein Hörer fühlte sich auch vor einiger Zeit inspiriert, einen WikiPedia-Eintrag für mich ins Leben zu rufen (nur auf Deutsch bisher). Was dort steht ist soweit alles zutreffend, und auch die Diskographie ist (soweit ich weiss) vollständig.

https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Brückner_(Musiker)

Es gibt auch eine Discographie von mir auf Discogs, die von Hörern (bzw. Labels) gepflegt wird; da fehlen allerdings viele Alben (insbesondere von den früheren).

https://www.discogs.com/de/artist/1313425-Michael-Brückner

Ausserdem noch einen älteren Blog von mir bei LastFM, auf dem sich eine Discographie mit kurzen Anmerkungen zu jedem Album findet - die kann ich allerdings seit einem (eher fragwürdigen) "Restart" von LastFM nicht mehr updaten, daher stammt der letzte Eintrag vom Januar 2014.

http://www.last.fm/de/user/BruecknerSound/journal/2010/03/19/3i17at_michael_brückner_-_the_(nearly)_complete_catalogue

Es gibt auch noch verschiedene andere Interviews mit mir - meist auf Englisch - wo ich über verschiedene damals jeweils aktuelle Projekte oder Aspekte meines Tuns und Treibens spreche, nach denen ich eben gefragt wurde...

http://www.15questions.net/interview/fifteen-questions-interview-michael-bruckner/page-1/

Ausserdem gibt es noch recht zahlreiche Rezensionen (von Alben ab 2011) - auf Deutsch regelmässig z.B. bei den Babyblauen Seiten oder im Musikzirkus-Magazin von Stephan Schelle, auf Englisch auf progarchives.com oder dem Blog Synth&Sequences von Sylvain Lupari.

http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=band&bandId=5637

http://www.musikzirkus-magazin.de/dateien/Pages/CD_Kritiken/elektronik/michael_brueckner_eleventh_sun.htm

http://www.progarchives.com/artist.asp?id=8891

http://synthsequences.blogspot.de/2016/11/michael-bruckner-3-briques-2016.html

In Printmedien gab es auch schon verzeinzelt Rezensionen, oder sogar auch mal Artikel, aber eher seltener - z.B. in der Keyboards (meine erste Rezension 2002), dem Synthesizer-Magazin oder der Zeitschrift Groove.

Ach so - und Video-Clips gibt es z.B. einige auf meinem eigenen YouTube-Kanal, und auch vereinzelt auf einigen anderen...

https://www.youtube.com/user/BruecknerAmbient/videos

https://www.youtube.com/watch?v=JMLA7jE43cI

Harald G.: Da komme ich auch direkt zu meinem nächsten Fragenkomplex, und der bezieht sich auf Deine Live-Aktivitäten. Wo bist Du schon überall aufgetreten bzw. welche waren Deine Auftritts-Highlights? Was hast Du - evtl. auch mit anderen zusammen - in naher oder mittlerer Zukunft an Auftritten geplant?

Michael B.: Mit Live-Auftritten war - und ist - es leider nicht so einfach für mich...

Zunächst hatte ich früher lange nicht das Geld, um mir livetaugliche Synthesizer zu leisten; ich habe hauptsächlich mit dem Computer gearbeitet, der aber wiederum war damals zu langsam, um viele Klänge gleichzeitig in Echtzeit wiederzugeben, und daher für ein Konzert als Instrument ungeeignet. Deshalb musste ich auch eine Reihe von attraktiven Einladungen - z.B. zu Festivals in Österreich, Spanien, aber auch den USA und sogar Russland - vor einigen Jahren ablehnen.

Das ist auch der Grund, weshalb ich lange in erster Linie eher ein Studio-Produzent als im landläufigen Sinne Musiker war - bzw. tendeziell nach wie vor bin, obwohl es sich seit einer Weile langsam wandelt. Dennoch ist meine Live-Seite gegenüber der Studio-Seite, wenn man so will, immer noch ein wenig unterentwickelt...

Genaugenommen habe ich erst seit Anfang 2009 - nachdem ich schon fast 17 Jahre lang Musik gemacht hatte - Instrumente, mit denen ich live überhaupt sinnvoll auftreten kann.

Dann bieten sich auch nicht so schrecklich viele Gelegenheiten; zwar gibt es eine Hand voll EM-Festivals in Deutschland und dem benachbarten Ausland - aber es gibt auch sehr viele Musiker, die dort spielen wollen, und die in der Szene bereits länger etablierten Acts und Künstler haben natürlich auch eine größere Chance, zu solchen Festivals eingeladen zu werden. Auch war (und ist) es für mich berufs- und familienbedingt oft schwierig, viel zu reisen. An eine "Tournee" in größerem Stil ist überhaupt nicht zu denken...

Seit einigen Jahren versuche ich deshalb auch, mit Mathias Brüssel hier bei uns in Mainz regelmässige Konzerte bzw. ein kleines Festival ins Leben zu rufen; bislang aber (bis auf zwei Ausnahmen in sehr kleinem Rahmen) leider ohne Erfolg - es scheitert oft an Zeit, Geld und verfügbarem Personal.

Trotz dieser verschiedenen Schwierigkeiten hat es dann aber *doch* einige Einladungen und auch sehr schöne Konzerte im Laufe der Jahre gegeben - verstärkt seit 2012. In diesem Jahr durfte ich zum ersten Mal bei einem Festival auftreten, es war das RaumZeit-Festival in Dortmund. Wir hatten es so eingerichtet, daß an diesem Tag auch mein oben erwähnter erster Label-Release auf dieses Event fiel (SynGate hat dort immer einen Stand). Das war für mich schon mal eine schöne erste Festival-Erfahrung.

2013 war dann bisher mein aktivstes Live-Jahr mit einer Reihe von Wohnzimmer-Konzerten und einigen Festival(artigen) Auftritten - hat alles, ob groß oder klein, viel Spaß gemacht, die Highlights waren vielleicht die Album-Release-Party zur damaligen Label-Compilation von "Klangwirkstoff", die im Berliner Club "Ritter Butzke" stattfand - mit Filmvorführung, Vortrag von einer Berliner Schamanin und Auftritten verschiedener Klangwirkstoff-Künstler bis tief in die Nacht. Dort habe ich zum ersten (und bislang einzigen) Mal erlebt, daß Menschen (und zwar ein wirklich sehr buntes Berliner Publikum mit einigen geradezu artistischen Tänzerinnen und Tänzern) zu meiner Musik getanzt hat - ich muss gestehen: das hat mir schon einen Kick gegeben... :-D

Sehr schön war auch das gemeinsame Konzert mit Schlagzeuger Tommy Betzler gegen Ende jenes Jahres beim Dinsoaurier- (Synthesizer-) Treffen in Bocholt.

2014 war das Highlight dann sicher das Konzert in der ehemaligen Kirche St. Peter in Frankfurt - heute eine Konzert- und Veranstaltungshalle mit einer Kirchenhülle drumherum - im Rahmen einer mehrtägigen Veranstaltungsreihe anlässlich des stadtweiten jährlichen "Luminale" - Lichtkunstfestivals. In der Kirche haben mehrere Lichtkünstler jeden Abend animierte Projektionen und Laser-Shows gezeigt, und wurden dabei von wechselnden Ambient-Musikern sozusagen musikalisch begleitet. War ein tolles Event...

2015 dann war der Höhepunkt mein Auftritt mit Mathias Brüssel auf dem Cosmic Nights-Festival - im Planetarium von Brüssel (wo übrigens auch schon u.a. Klaus Schulze in den 70ern aufgetreten war).

Dieses Jahr hat sich dann nicht so viel ergeben, insofern war das "Highlight" dann unser kürzlicher Auftritt im Nebenprogramm des diesjährigen E-Live-Festivals in Oirschot, Holland. Mit dem ich aber leider nicht 100%ig glücklich war, denn es gab einige organisatorische (und andere) Missverständisse und auch technische Schwierigkeiten (das Monitoring war problematisch, und zeitweise fiel eine Hälfte der PA aus), die uns dann auch ein bischen nervös gemacht haben. Insgesamt hätten wir, wenn es anders gelaufen wäre, für mehr Zuhörer und auch insgesamt besser spielen können - andererseits hat es aber unterm Strich (und unter den gegebenen Umständen) dennoch Spaß gemacht - sowohl dem anwesenden Publikum als auch uns...

Generell spiele ich sehr gerne live - der direkte Kontakt mit dem Publikum ist immer ein besonderes Erlebnis - und würde es auch sehr gerne viel öfter tun; allerdings ist man eben hauptsächlich auf Einladungen angewiesen, und ob oder wann die kommen (und ob ich sie dann auch tatsächlich annehmen kann), das kann ich nur bedingt beeinflussen...

Harald G.: Eine Frage, die ich unseren Interview-Gästen immer gerne stelle: Sind Deine Werke auch schon mal im Internet-Radio oder auch bei Rundfunksendern zu hören?

Michael B.: Nun, bei großen Rundfunksender zwar noch nicht - schon alleine deshalb, weil z.B. in Deutschland die großen Sender keine GEMA-freie Musik akzeptieren (dürfen) - dafür aber im Internet-Radio, in PodCasts oder auch bei kleinen unabhängigen Sendern, die noch analog / terrestrisch ausstrahlen - seit einigen Jahren sehr oft: ich habe eigentlich gar keine Übersicht mehr und meistens keine Zeit, mir die entsprechenden Sendungen selbst anzuhören.

Der allererste war im Jahr 2006 der Östereichische Experimental-Musiker und langjährige Radiomacher Alexander Spechtenhauser, der mit damals eine komplette Ausgabe seiner Sendung "Klangforschung" (damals noch analog im Umfeld von Innsbruck ausgestahlt) gewidmet hatte. Ein anderer früher (und beständiger) Förderer in diesem Zusammenhang ist Codo Cech mit seiner langjährigen Sendung "Codos Traumreisen" (im Internet, und - wenn ich mich richtig entsinne - auch analog in Dortmund und Umgebung). Dann haben Norbert Zumdiek und John Valk - Deine beiden Kollegen bei den Underground-Äxpärten - mich viele Jahre lang treu unterstützt und oft gespielt;  Du selbst ja auch kürzlich - vielen Dank dafür! :-) Auch bei Modul303 gibt es verschiedene Kollegen und Sendungen, die immer wieder gerne etwas von mir spielen. Und es gibt noch eine Reihe von anderen treuen Unterstützern in Deutschland, oder auch Holland - aber wenn ich nun alle aufzählen wollte, würde die Liste wieder sehr lang.

Es ist aber nicht nur Deutschland, sondern eigentlich in vielen Ländern rund um den Erdball - England, Irland, Spanien, Russland, Südafrika, Australien usw. - wobei durch das Internet ja das meiste dann "weltweit" ist und Ländergrenzen wenigstens in diesem Zusammenhang kaum noch eine Rolle spielen (Zeitzonen dann aber schon teilweise).

Auch in den USA werde ich teils gelegentlich gespielt - durchaus auch mal in renommierteren Sendungen bzw. Sendern wie Echoes von John Diliberto, Star's End von Chuck van Zyl oder Galactic Travels von Bill Fox gespielt.

Und teilweise auch relativ regelmässig, wie zum Beispiel bei Sendern wie "Stillstream" - insbesondere in der Sendung "At Water's Edge" mit Rebekkah Hilgraves.

Was mich auch sehr freut ist Airplay bei dem Uni-Sender KFJC in Los Altos, Kalifornien, insbesondere bei Moderatorin Terry Boblet - von dort besteht auch seit Jahren eine nach wie vor offene Einladung für ein Radio-Konzert, die ich leider bislang noch nicht wahrnehmen konnte. Vor zwei oder drei Jahren hat dann mein akuteller Lieblingsmusiker Robert Rich ebendort ein Konzert gegeben, das ich ganz phantastisch finde (gibt es komplett auf YouTube, und inzwischen auch als Live-Album).

Über Unterstützung in punkto Radio kann ich mich also kaum beklagen - während ich das hier heute tippe, habe ich gerade die nächste Einladung von einem freundlichen holländischen Moderator erhalten :-D  - wobei man aber sagen muss, daß Sendungen, die sich auf diese Art elektronische Musik spezialisiert haben, oft keinen wirklich großen Zuhörerkreis haben - da gibt es Sendungen mit 20 Hörern (oder auch nur 5) und wenn es mal gut läuft, sind es auch mal ein paar hundert; mit dem Wirkungskreis von eingängiger Popmusik, die auf großen Radiostationen wie RTL oder SWR usw. läuft, kann man das nicht vergleichen. Aber - macht nix: ist trotzdem toll!

Harald G.: Wie sehen Deine weiteren Zukunftspläne aus, z.B. in Bezug auf neue Veröffentlichungen, evtl. auch in Gemeinschaftsprojekten?

Michael B.: Ich bin ja ein wenig berüchtigt für meinen hohen Output. In der Zukunft möchte ich den auch gerne zurückschrauben - nicht zuletzt, damit ich wieder mehr Zeit für meine Familie habe.

Deshalb ist im Augenblick kein *neues* Solo-Album geplant. Allerdings werde ich durchaus bestehende gemeinsame Projekte fortsetzen, und begonnene Kooperationen - wenn möglich - zu Ende führen. Und da sind noch einige Sachen in der Pipeline, die sicher in den kommenden Jahren zu einigen weiteren Veröffentlichungen führen werden.

Als nächstes ist, wie gesagt, ein Album von "Betzler & Brückner" dran, und im Frühjahr dann ein weiteres (das schon seit 2013 in Arbeit ist und eigentlich jetzt veröffentlicht werden sollte - wie weiter oben erwähnt). Dann hoffentlich das Album mit HaDi Schmidt, das ich (dank HaDi's Beitrag) ganz besonders toll finde - wie gesagt suchen wir hier noch ein geeignetes Label.

Ausser weiteren Kooperationen gibt es auch noch mindestens zwei Solo-Alben, die im Grunde schon seit langem fertig in meinen Archiven schlafen, und die voraussichtlich in 2017 auf verschiedenen Labeln erscheinen werden.

Dann gibt es ja noch meinen ganzen Back-Katalog, den ich nach und nach auf Bandcamp bringen und somit wieder sichtbar machen will. Einige dieser älteren Alben will ich bei der Gelegenheit auch noch mit meinen aktuellen, besseren Möglichkeiten klanglich überarbeiten. D.h. auch wenn ich es insgesamt langsamer angehen will, dann ist noch viel Material bereits vorhanden, damit der musikalische Strom noch eine längere Zeit so weiterfliessen kann wie bisher...

Insgesamt würde es mich sehr freuen, wenn es mir gelingen würde, einige Alben auch bei (noch) bekannteren und renommierteren Labeln unterzubringen, einfach um meinen Hörerkreis zu erweitern, und vielleicht auch von Hörern ausserhalb der doch recht engen und familiären "traditionellen" EM-Szene wahrgenommen zu werden.

Das ist aber freilich schwierig - es gibt so unglaublich viele vorzügliche Musiker, die natürlich alle gerne diese Möglichkeit hätten - und verdienen würden. Die entsprechenden Labels werden auch oft selbst von Musikern geführt, die dort ihre eigene Musik und die von einigen befreundeten Künstlern vertreiben - oft seit Jahren mehr oder weniger "geschlossene Gesellschaften", wo nur selten neue Musiker oder Acts aufgenommen werden.

Zudem bin ich, wie gesagt, nur schwierig in die engen Grenzen eines marketing-tauglichen (Sub-) Genres einzuordnen - auf Tournee kann ich auch nicht gehen (bei größeren kommerziellen Labeln ist das oft eine der Voraussetzungen). Es ist also leider eher unwahrscheinlich, daß es je dazu kommen wird. Aber nun ja - man wird sehen...

Harald G.: Im Namen unserer Redaktion und im Namen aller Leser bedanke ich mich für dieses Interview. Wie an dieser Stelle üblich mögen die letzten Worte Dir gehören. Gibt es noch etwas, was Du unserer Leserschaft mit auf den Weg geben möchtest?

Michael B.: Oh, der Dank ist ganz meinerseits! :-)

Der Leserschaft etwas auf den Weg mitgeben...? Das klingt für mich immer nach einer Chance, etwas moralisch erbauliches zu sagen, auf daß die Welt besser werde (und unsere Welt hätte das weiss Gott bitter nötig).

Ich finde es nur immer schwierig, zu wiederholen, was schon so oft - und ganz richtig - gesagt wurde, ausserdem kommt mir das aus meinem Munde immer etwas seltsam vor - deshalb nehme ich mal Zuflucht zu einem Gedicht von Michael Ende und wünsche ansonsten allen Lesern (und dem Rest der Welt) alles Gute und bedanke mich herzlich für die geschätzte Aufmerksamkeit!

Der Traum vom Fliegen

... und wenn du es wieder mal müde bist,
wie eng und begrenzt dein Leben ist,
und die ganze Erde erscheint dir fast
umsponnen von einem grauen Netz,
in dem du dich hilflos verfangen hast,
ein Netz aus Gewohnheit, Gewalt und Gesetz,
ein Netz aus Grenzen von Staat zu Staat,
Grenzen aus Dummheit und Stacheldraht,
Grenzen des Geldes, begrenzte Zeit
Und die Grenzen der eigenen Fähigkeit...
...und wenn du dich wieder mal wund gestoßen
an den Gitterstäben, den kleinen und großen,
und du weißt genau: Du kommst nie mehr vom Flecke,
du bleibst gefangen im engen Raum,
dann hockst du dich nieder in deiner Ecke
und träumst den alten Traum:
Da breitest du weit deine Arme aus
Und ein tiefer Atemzug!
Du schwingst dich empor über Straße und Haus
Im traumhaften Vogelflug.
Du fliegst und du fliegst und du brauchst kein Ziel
Das Dasein selbst ist Glück!
Keine Grenze dort unten bekümmert dich viel,
du möchtest nie zurück.
Es ist alles so einfach. Du wunderst dich kaum.
Und du weißt in deinem Traum: Es ist kein Traum!
Und du fragst dich, warum man es je vergisst,
warum man nicht glaubt daran,
dass man immer so frei wie ein Vogel ist
und in Wahrheit fliegen kann.

(Michael Ende)

"Das war's im Groben - denken Sie mal darüber nach!"

(Walter Moers)

In den 70ern hingegen trafen Pink Floyd und besonders Waters den Zeitgeist; Waters hat Pink Floyd genutzt, um seinem immer fehlenden Vater nachzutrauern und seine schwierige Schulzeit öffentlich zu verarbeiten. Da war jemand zur richtigen Zeit mit der richtigen Musik am richtigen Ort, wie viele andere auch. Es gab ein kollektives Andocken und zugleich wurde die persönliche Geschichte angetriggert. Jeder fand sich irgendwie in ‚Wish You Were Here‘ oder auch ‚Another Brick in the Wall‘ wieder.

Das finde ich heute in der Musik SO intensiv nicht mehr wieder, obgleich es immer noch, oder auch immer wieder, Ergreifendes gibt.  

 

Michael Brückner: Bist du der Meinung, dass Musik oder Klang, um solche Wirkungen zu vermitteln, idealerweise in einer dafür günstigen Umgebung gehört und erlebt werden sollte? Ist dafür ein Konzert besser geeignet, oder das aufmerksame "private" Hören zuhause? Legst du in Deinen Konzerten Wert darauf, auch abgesehen von der eigentlichen Musik einen geeigneten Rahmen zu schaffen, und wenn ja: wie...? 

 

Mathias Grassow: Ich versuche nicht aktiv, solche Wirkungen zu vermitteln, denn ‚es‘ passiert einfach. Das kann überall sein und entzieht sich meinem Einflussbereich. Ich freue mich natürlich, wenn ein Konzertangebot kommt, das  ein außergewöhnliches Ambiente verspricht, aber nichts ist ein Garant für ‚die Wirkung‘. Ich kann nur vorbereiten und den Raum schaffen; betreten werden muss er von ‚Willigen‘ und dann durch Resonanz und Interaktion aufgebaut und gehalten werden. Ich versuche, sowohl auf CD wie auch live, den Hörern nicht nur Musik zu vermitteln, sondern auch Geist.

Michael Brückner: Neben der religiös gefärbten Betrachtungsweise gibt es auch Ansätze, die die heilende oder  bewusstseinsbeeinflussende Wirkung von Musik eher mit wissenschaftlichen, z.B.  physikalischen Überlegungen begründen - die (vereinfacht gesagt) davon ausgehen, dass letzendlich das Universum aus Schwingungen aufgebaut ist, die sich gegenseitig beeinflussen, weshalb Musik - als Kunstform, die in besonders direkter Weise ein bewusstes Gestalten von Schwingungen ist - besonders geeignet sei, gerade auch die besonderen Schwingungen, die den menschlichen Körper und Geist konstituieren, positiv zu beeinflussen. Ich denke dabei insbesondere an die Tradition der Harmoniker (Pythagoras, Kepler, Kayser, Cousto) oder die Befürworter der Stimmung auf den Kammerton von 532 Hertz.
Was ist deine Meinung zu dieser eher wissenschaftlichen Betrachtungsweise?

Mathias Grassow: Nun, es hat alles seine Daseinsberechtigung. Ich persönlich kann mit dem ganzen Planetenkram und dementsprechend gestimmten Gongs usw. nicht so viel anfangen; auch nicht mit irgendwelchen komplexen Berechnungen aufgrund der so allgemeingültigen mathematischen Gesetze, an die ich in dieser Form nicht wirklich glaube. Manchmal denke ich, der ‚wissenschaftliche‘ Zweig ist so etwas wie die legitime Foschung, der legale Zweig der ‚Drogengurus‘, die eigene und tiefe Erfahrungen machten, dies aber nicht mehr so propagieren können wie in den 60ern. Da alle Erfahrung immer eine Mischung zwischen kollektivem Bewusstsein und der eigenen Biografie ist, gibt es auch nicht DAS Buch über Musik, oder DAS Stück, DEN Stil etc. Meine Drones sind vielleicht ‚kosmische Downloads‘, die irgendeine Botschaft beinhalten, die allerdings – nur mit dem Ohr erfasst – nicht die Kraft haben kann, unsere DNA zu ändern, sodass der Weg frei ist für tiefere Erfahrungen unseres Seins. Wir haben durch solche Musik allenfalls eine Ahnung, wer wir sind und wo unser Zuhause ist. Das wirft sicher einen Diskurs auf, aber ich glaube fest daran, dass wir Musik, wenn der ‚Ohrkanal‘ - dessen Chef stets das Gehirn mit all seinen Bewertungen und Einordnungen ist -  umgangen wird, auf einer Ebene wahrnehmen könnten, die sich noch keiner so recht vorstellen kann, z.B. Raum und Zeit relativieren, Fühlen der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, usw.

Michael Brückner: Wäre es für dich vorstellbar, die Wirkung von Musik bzw. Klang zu "objektivieren", d.h. bestimmten Rhythmen oder Tonhöhen, oder Kombination davon, bestimmte Effekte auf den menschlichen Körper und Geist objektiv zuzuordnen und damit Musik bewusst und gezielt - ähnlich wie Medizin - als Heilmittel einzusetzen?

Mathias Grassow: Das habe ich teils schon weiter oben beantwortet. Vorstellbar und wünschenswert ist das schon, aber ich zweifele daran, dass es allgemeingültige Formeln gibt. Eine Art ‚Breitbandantibiotikum‘ ist sicher durch Forschung und Feldstudien rasch zu entwickeln, aber jeder Mensch hat seine ganz persönliche Geschichte, also müsste für jeden ‚Klienten‘ eine persönliche CD ‚entwickelt‘ werden, die er solange hört, bis sich ihre Wirkung voll entfaltet hat. Dann müsste wieder neu zusammengestellt werden - eine unendliche Geschichte. Ebenso müssten Behandelnder und Behandelter in gleicher Weise schwingen und sich mit dem Herzen verbinden, also in der ‚Liebe sein‘. Da unsere Medizin allerdings ein knallhartes Profitgeschäft ist, zweifle ich weniger an der Machbarkeit, als an echter Intention, diese Welt zu verändern und zu wandeln.

Es geht nur, wenn wir alle uns zusammenschließen und die Verbundenheit zu allem fühlen lernen. Erst dann ist alles möglich und es werden sich Wege und Kanäle öffnen, die wir heute noch als ‚übersinnlich‘ bezeichnen… Aber VORSICHT: Eine Gabe oder besondere Fähigkeit heißt noch nicht, dass ein Mensch im Herzen und in der Liebe ist.

Michael Brückner: Ist es für Dich darüber hinaus vorstellbar, mit Musik auch andere Vorgänge oder Ereignisse in der "physikalischen Wirklichkeit" zu beeinflussen - vielleicht wie eine wissenschaftliche Version des Regentanzes?

Mathias Grassow: Haha, nun wenn z.B. ein Musikstück die ‚Spontanheilung‘ eines Schwerkranken evozieren  würde, würde man das als ‚Wunder‘ bezeichnen und zu den Akten tun. Es kann doch nicht sein, was nicht sein darf, oder? Andere wiederum würden verzweifelt nach der Formel dahinter suchen und keine finden…

Was ist Wirklichkeit, was Illusion? Die einzige unbeeinflussbare Konstante in unserem Universum ist die Gravitation.

Michael Brückner: In der schamanischen Tradition, die wir kurz erwähnt hatten, aber auch in der psychedelischen Musik und später in der elektronischen Trancemusik spielten Drogen eine Rolle; wenn man sich mit Meditation, Traum und anderen "erweiterten Bewusstseinszuständen" befasst - auch solchen, die durch musikalische Techniken wie z.B. Mantragesang vermittelt werden können - sieht man, dass starke Ähnlichkeiten zu bestimmten Erfahrungen bestehen, die Menschen unter Einfluss psychedelischer Drogen haben, und die z.B. von Aldous Huxley, Timothy Leary  oder - systematischer - von dem Forscher Stanislav Grof beschrieben wurden, der in den 50er und 60er Jahren mit LSD experimentierte - und es übrigens später durch eine Kombination bestimmter körperlicher Reize (bzw. auch Reizdeprivation) und: Musik ersetzte, bzw. ganz ähnliche Wirkungen erzielte. Es gibt da also offensichtlich auch viele Berührungspunkte...

Hast du früher in deinem Leben einmal Erfahrungen mit psychedelischen Drogen gemacht, und hat das dein Musikschaffen in irgendeiner Weise beeinflusst (...ich erinnere mich an ein Zitat von Klaus Schulze aus den 70ern : "LSD hat uns den Weg freigeballert...") ?

Mathias Grassow: Meine Erfahrungen damit sind weniger umfangreich, als meine Geschichte vermuten lassen könnte. Ohne mich hier in Einzelheiten verlieren zu wollen: Nichts macht das Leben besser oder schlechter, wenn wir  Hilfsmittel nehmen oder es sein lassen. Niemand macht bessere Musik ‚mit‘ oder ’ohne‘. Es hängt alles davon ab, in welchem Zustand und welcher Intention wir etwas zu uns nehmen. Ja, ich habe Erfahrung, aber es hat mich nicht zum besseren oder erleuchteteren Mensch gemacht.

Michael Brückner: Bist du der Meinung, dass der (moderate und bewusste) Einsatz von Drogen die spirituelle, oder heilsame Wirkung von Musik steigern, oder günstig beeinflussen kann? Oder würdest du eher dem zustimmen, was vor vielen Jahren mal eine Freundin von mir sagte: "Die beste Droge ist ein klarer Kopf" ?

Mathias Grassow: Wir haben alle KEINEN klaren Kopf, sondern nur eine Sehnsucht nach unserem Zuhause. Bei Drogen gilt generell: Wenn Dosis, Set und Setting stimmen, können Sie etwas positives bewirken, meinetwegen auch dauerhaft. Aber wir neigen dazu, alles aus dem Ego heraus zu nutzen und dementsprechend noch MEHR, noch INTENSIVER erleben zu wollen. Wir nutzen Drogen zur Enthemmung, zur Sozialisation, Party, Flucht und Spaß. Das ist sicher nicht der Sinn dahinter. Wer aber eine tiefe spirituelle Erfahrung sucht und eben die Voraussetzungen die Besten sind, kann hier möglicherweise einen entscheidenden Schritt nach vorne machen.

Michael Brückner: Abschliessend zu diesem Thema: Ich kann mich erinnern, dass zu bestimmten Zeitpunkten, wie den späten 60ern, aber auch wieder in den späten 80ern / frühen 90ern, die Hoffnung recht groß schien (vielleicht auch nur mir), dass durch eine Art spirituelle Wende - möglicherweise vermittelt durch spirituelle Techniken und transformative Erlebnisse - die Menschheit geläutert und die Welt gerettet, oder erneuert, werden könnte. Sicherlich drückt sich ein solcher Optimismus auch teilweise in Hamels "Durch Musik zum Selbst" aus. Hattest du zu bestimmten Zeiten auch ähnliche Hoffnungen, oder Wünsche, und wie siehst du diese Dinge heute? Hat Musik, und hat Spiritualität, deiner Meinung nach die Kraft, die Welt - oder vielleicht zumindest das Leben einzelner Menschen - zum Besseren zu ändern? Oder ist es eher etwas Schönes für diejenigen, die dafür empfänglich sind, und die Welt geht ihren Gang zum Guten oder Schlechten, ohne dass Musik dabei eine Rolle spielt?

Mathias Grassow: Ich denke heute, dass es innerhalb der ‚Illusionsmatrix‘ unserer Erde, wie auch des gesamten Universums, nicht möglich ist, daraus zu entfliehen. Nicht zumindest ohne tief gefühlt zu haben, dass wir alle

Programme innerhalb vieler noch aufwändigerer Programme sind. Wir können eine Illusion nicht innerhalb einer größeren Illusion erkennen. Es gibt keine Zeit, nur Zeitebenen und wir existieren auch nicht wirklich in einer linearen Zeitabfolge. Erkennen heisst fühlen, dass es ein echtes Zuhause gibt – jenseits aller Gefühle und Emotionen. Das absolute Nichts ist so haltlos und unbegreifbar, dass es uns Angst macht.

Der einzige Schlüssel zur Erkenntnis und zum Ausstieg aus dem Dilemma ist bedingungslose und absichtslose Liebe. Es gibt heute und hier nichts anderes zu lernen. Unser Verweilen hier auf der Erde ist die Lebensschule.

Unser Zuhause ist nicht hier. Alle Musik dieser Welt drückt unsere Sehnsucht nach dort aus, von wo wir einst kamen; alle nur erdenklichen Gefühle sind Ausdruck dieser Sehnsucht.

Insofern bin ich desillusioniert, denn New-Age, der Aufbruch und alles, was die 68er-Aufbruchsgeneration so idealisierte, war auch nur ein Programm zur Fütterung der Menschen; ein neues Spielzeug in einer alten Arena.

Meine Hoffnung ist meine Erinnerung - die hoffentlich ausreicht, um mich heim zu bringen.

Ich möchte nicht noch eine Schleife drehen.

Meine Musik ist das Echo meines Rufs…

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Michael Brückners Lieblingsalben von Mathias Grassow (bisher...)

Soloalben:

 

Tiefweite Stille (1999)

 

The Fragrance of Eternal Roses (2000)

 

Bliss (2001)

 

AeroAreA (2010)

 

Interstellar Gravity (2010)

 

 

Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern:

 

The House on the Borderland (2005) mit bzw. als Nostalgia

 

Mosaic (2012) mit John Haughm

 

Closing the Eternity & Mathias Grassow (2016) mit Closing the Eternity

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Links:


Mathias Grassows Homepage:

http://www.mathias-grassow.de/

Mathias Grassows Bandcamp-Seite:

https://mathiasgrassow.bandcamp.com/